30.09.2017 @ KONTAKTE '17, Akademie der Künste, DE-Berlin

22.30–24.00 Uhr
Studiofoyer

Ticket € 6/ 4
Day pass € 15/9

Les Femmes Savantes
Sabine Ercklentz – Komposition, Trompete, Elektronik
Andrea Neumann – Komposition, Innenklavier, Elektronik
Ana Maria Rodriguez – Komposition, Keyboard, Spazialisation
Ute Wassermann – Komposition, Stimme, Vogelstimmen-Pfeifen, Resonanzobjekte
http://femmes-savantes.net/les-femmes-savantes/
https://soundcloud.com/les-femmes-savantes
Loïse Bulot
https://www.loisebulot.com/
https://soundcloud.com/loisebul
Annette Krebs
http://www.annettekrebs.eu/
https://vimeo.com/user9013935

PROGRAMM

Les Femmes Savantes: Scramble
Jardin d'Ocre (UA) für Trompete und Elektronik
Maischen II (UA) für Stimme und Innenklavier
Ripped Flax (UA) für Stimme, Trompete, Innenklavier und Elektronik
Hybrid (UA) für drei Stimmen, Trompete, Innenklavier und Elektronik

Alle Stücke des Programms Scramble arbeiten mit einer Verräumlichung von Klang und nutzen dabei verschiedene Konstellationen von vier bis acht Kanälen. Neben einer Uraufführung präsentieren Les Femmes Savantes drei Werke aus ihrem Repertoire in exklusiv für diesen Abend realisierten Überarbeitungen.

Jardin d’ocre kann als Navigation durch eine Landschaft verstanden werden, die durch diese Navigation erst geschaffen wird; wie eine Karte (Trompete) die mit ihrem Territorium verschmilzt (Elektronik). Sie besteht aus Zeitblöcken, in denen reduziert mit Material umgegangen wird. In der Gegensätzlichkeit aus harmonischen Flächen/fragmentarischen Klängen, sowie Unbeweglichkeit/Beweglichkeit wird besondere Spannung erzeugt. Als Resultat entsteht ein klangliches Gewebe aus fragilen, subtilen und schillernden Texturen.

Hybrid – Angeregt von einem Workshop von Ute Wassermann entwickelten die Performerinnen eine Reihe von geräuschhaften Stimmklängen, die sie chorisch, wie Klone einer einzigen Stimme einsetzen. Im Kontrast dazu erklingen klangliche Entsprechungen auf den jeweiligen Instrumenten. In der Komposition vervielfältigen sich geräuschhafte Stimmklone, hybride Stimmen und Instrumentalklänge, kreisen, lösen sich ab oder verdichten sich.

Maischen II – Maischen ist ein Vorgang des Bierbrauens und bezeichnet das In-Lösung-Bringen verschiedener Komponenten durch enzymatische, physikalische und chemische Vorgänge. Elektronische, objekthafte, physische Klänge und fragmentiertes Sprechen sind hier die Zutaten. Stimme und Innenklavier treffen in einem virtuosen Zusammenspiel aufeinander, vermischen, verschränken und sabotieren sich in einem zeitlich strukurierten Maelstrom von Klangereignissen.

Ripped Flax spielt mit losen rhythmischen Elementen, die zunehmend erkennbare Formen annehmen und in einem zwischen Marodität und Tanzbarkeit schwankenden Walzer kulminieren.

Loise Bulot
Radio-Laria (UA), Achtkanalkomposition

Radiolaria ist der Name einer Planktonsorte. Fasziniert von ihrer Form, ihrer Erscheinung: glänzend, mechanisch, fremd, und von den unendlich kleinen Welten, die sie bewohnen, realisierte ich diese akusmatische Komposition, inspiriert von diesen kleinen Kreaturen, die in der Tiefe der Ozeane leben. Das Stück transkribiert eine Reise in ein flüssiges Universum, friedlich oder verstörend, bevölkert von kleinen Zwitterwesen, die mit dem Strom schwimmen, auf der Oberfläche ebenso wie in den Tiefen, bis zum unermesslich tiefen Meeresgrund. Die Komposition Radio-Laria entstand 2017 im Rahmen von Loïse Bulots Studioresidenz am elektronischen Studio der Akademie der Künste Berlin.

Radiolarias are species of plankton. Fascinated by their strange and beautiful appearance and by the infinitesimal, I realized this acousmatic piece inspired by these creatures living in water. I thought this composition in multi-channelling with the idea of a travel under the surface of a liquid universe. Transcribing by sound what the eye can not perceive, by plunging deeper and deeper into the immenses dark masses of the seabed, revealing by a change of scale a tiny, fantastic, hidden luminous world. Realized at the electoacoustic studio, Akademie der Künste Berlin Juli 2017.

Annette Krebs
Konstruktion#3 (UA), Instrumentale Klangskulptur für acht live bespielte Lautsprecher

Konstruktion#3 ist beides: Instrumentale Klangskulptur und Solokomposition. Die Serie Konstruktion vereinigt Techniken und Herangehensweisen digitaler Komposition, Klangkunst, Neuer Musik und Improvisation. Konstruktion#3 ist eine Weiterentwicklung, der im Jahr 2013 begonnenen elektroakustischen Forschungsreihe Konstruktion, die in zahlreichen Solo-Performances auf Konzerten und Festivals in Europa, Südamerika und Mexiko präsentiert wurde. Konstruktion#3 besteht aus Metallen und verschiedenen Objekten, deren Töne und Geräusche mit Mikrofonen und Tonabnehmern teils extrem verstärkt und live digital weiterverarbeitet werden. Analoge und digitale Kompositionstechniken werden miteinander kombiniert. Aus neuentdeckten Klängen und Klangverläufen entsteht so eine achtkanalige elektroakustische musikalische Collage. Klangverschiebungen tauchen den Konzertraum in verschiedene akustische Beleuchtungen. Klänge und Geräusche bilden, während sie sich durch den Raum bewegen, mehrschichtige, polyphone Schattierungen. Die Lautsprecher agieren dabei sowohl als Ensemble, das Klänge im Raum ineinanderfließen lässt, wie auch als akustisch voneinander isolierte "Akteur*innen", die menschliche Stimmen, Geräusche und einzelne prägnante Töne aussenden.

„Für mich ist Proportion sehr wichtig. Die Proportion zwischen Geräusch und Ton und Stille. Proportionsverschiebungen in Klangfarben, Tonhöhen und Lautstärken. Wenn ich sehr konzentriert und vorsichtig an einer Proportion arbeite, kann es sein, dass ich irgendwann einen Punkt in ihr finde, ein Gleichgewicht, das zu Musik führt. Wenn eine Proportion, ein Gleichgewicht in das Material gelangt ist, dann ist es Musik geworden. Mich interessieren sehr fragile Gleichgewichte, die sich an der Grenze der Auflösung, des Scheiterns befinden. Ich empfinde diese als sehr lebendig und schön. Stabile, fest entschlossene und sicher konstruierte Gleichgewichte, stabilen Tischen, Stühlen oder Häusern ähnlich, interessieren mich nicht so sehr. Mich inspiriert das riskante Gleichgewicht, die Feineinstellung einer atmenden Zelle, eines Klangmoleküls, einer Zeitscheibe, eines lebendigen Gebildes.“ Annette Krebs

ÜBER DIE KÜNSTLERINNEN

Les Femmes Savantes, ein international aktives Composer-Performer Ensemble ist hochangesehen im musikalischen Spektrum von zeitgenössischer Komposition, Jazz, elektronischer Musik, Improvisation, Sound Art und Performance Art. In seiner netzartigen Struktur überschreitet das Ensemble spielerisch die Grenzen zwischen den musikalischen Genres.

Sabine Ercklentz studierte zunächst Jura an der FU Berlin, später dann Trompete/Popularmusik an der Hochschule für Musik Hanns-Eisler. Sie lebt und arbeitet als Komponistin, Musikerin und Performerin in Berlin. Ihre Arbeiten bewegen sich häufig in musikalischen Grenzbereichen und über feste Genregrenzen hinweg. Oft arbeitet sie in Kollaboration mit anderen Künstler_innen. Konzert- und Festivalauftritte u.a. bei FIMAV Victoriaville, Kanada; Red Cat, Los Angeles; CalArts, USA; Rencontres chorégraphiques, Paris; Moderna Museet, Stockholm; Taktlos, Zürich; City of Women Lubiljana; Wittener Tagen für Neue Kammermusik; Donaueschinger Musiktagen; Forum Neue Musik; Jazzfestival Moers; Jazztage Leverkusen; Jazzfestival Leipzig; Wie es Ihr gefällt; ZKM Karlsruhe.

Andrea Neumann studierte klassisches Klavier an der Hochschule der Künste Berlin. Intensive Zusammenarbeit im Bereich zwischen Komposition und Improvisation, zwischen elektronischer und elektroakustischer, zwischen instrumentaler und performativer Musik mit Musiker_innen und Choreograph_innen. Sie ist Teil des Kollektivs LABOR SONOR, das seit 2000 eine Konzertreihe und seit 2015 Festivals in Berlin kuratiert.

Ana Maria Rodriguez studierte Klavier und Komposition in Buenos Aires sowie elektronische Musik und algorithmische Komposition in Barcelona. 2005 gründete sie das Ensemble Les Femmes Savantes. In ihren Werken verknüpft sie die Spontaneität der Improvisation mit ausformulierten Partituren. Als Laptopspielerin beteiligt sie sich an der Interpretation ihrer eigenen Werke. In Kompositionen, Konzertinstallationen oder szenischen Werken arbeitet sie mit den konkreten akustischen und architektonischen Bedingungen des Aufführungsraumes. Heterogene Zeitschichten, vielfältige Räume, der Logik zuwiderlaufende Handlungsstränge knapp und sinnlich zu formulieren, ist eines ihrer zentralen Anliegen. Aufführungen ihrer Musik auf zahlreichen Festivals u.a. in Berlin, Köln, Donaueschingen, Witten, New York, Marseille, Reims, Wien und Mexico City.

Ute Wassermann hat ein Studium der Bildenden Kunst (Klanginstallationen / Performance) an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg bei Henning Christiansen und Allan Kaprow abgeschlossen und als DAAD-Stipendiatin an der University of California, San Diego Bildende Kunst / Gesang studiert. Sie ist als Vokalkünstlerin, Komponistin und Klangkünstlerin für ihre vielstimmige Klangsprache bekannt, die sie in unterschiedliche Kontexte der experimentellen und Neuen Musik einbringt. Ihre künstlerische Arbeit bewegt sich im Bereich von Komposition, Improvisation, Sound- und Performance Art. Ihr Gesang entfernt sich vom vertrauten Klangbild der menschlichen Stimme, spielt mit Assoziationen an Klänge von Vögeln, Maschinen, Elektronik oder erweitert sich mittels Vogelpfeifen, Resonanz- und Lautsprecherobjekten und Fieldrecordings. Kompositionsaufträge u.a. von: Universität Amsterdam, Ryogoku Art Festival, Fonoteca Nacional/Poetica Sonora, Mexico City. Zahlreiche Uraufführungen für sie komponierter Werke mit bekannten Ensembles und Orchestern. Konzertauftritte als Composer-Performer, Improvisatorin und Interpretin in Europa, Mexiko, Brasilien, Australien, Asien und den USA.

Loïse Bulot studierte nach einem Grafik-Studium an der Kunsthochschule in Marseille sowie elektronische Komposition am Konservatorium Pierre Barbizet. Dort erhielt sie 2015 einen Preis für elektroakustische Komposition. Viele ihrer Werke kombinieren visuelle und auditive Praktiken wie grafische Notation, Performance, Zeichnung und Lichtinstallation. Ihre akusmatische Musik wird international auf Festivals in Frankreich, Spanien, Deutschland, Mexiko und Kanada aufgeführt. In Berlin präsentierte Heroines of Sound Festival im Dezember 2016 Bulots InSomnis in einer Aufführung des Ensemble KNM.

Annette Krebs verbindet filigranes Geräuschmaterial und instrumental anmutende Klänge mit Zuspielungen, die sie in autonomen Schichten anreichert. Seit 2013 entwickelt sie elektroakustische Instrumentalskulpturen: mikrofonisch verstärkt und verbunden mit Sensoren, Controllern und speziell dafür programmierter Software bilden ausgewählte Klangmaterialien die Basis für neue Solokompositionen. Erste Kompositionen entstanden bereits in der Kindheit, zugleich beschäftigte sich die Künstlerin intensiv mit Malerei und bildender Kunst. Sie studierte Konzertgitarre in Frankfurt am Main und lebt seit 1993 als freischaffende Komponistin und Musikerin in Berlin. Annette Krebs führt ihre Musik regelmäßig in- und außerhalb Europas auf, veröffentlichte zahlreiche CDs und besitzt einen youtube-Kanal.

In Kooperation mit KONTAKTE '17. Internationales Festival für elektronische Musik und Klangkunst.

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Heroines of Sound 2017 wird gefördert mit Mitteln der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, dem Musicboard Berlin, dem Adam Mickiewicz Institute (AMI), von impuls neue musik und der inm e.v. Berlin.

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