PROGRAMM

Les Femmes Savantes: Scramble
Jardin d'Ocre (UA) für Trompete und Elektronik
Maischen II (UA) für Stimme und Innenklavier
Ripped Flax (UA) für Stimme, Trompete, Innenklavier und Elektronik
Hybrid (UA) für drei Stimmen, Trompete, Innenklavier und Elektronik

Alle Stücke des Programms Scramble arbeiten mit einer Verräumlichung von Klang und nutzen dabei verschiedene Konstellationen von vier bis acht Kanälen. Neben einer Uraufführung präsentieren Les Femmes Savantes drei Werke aus ihrem Repertoire in exklusiv für diesen Abend realisierten Überarbeitungen.

Jardin d’ocre kann als Navigation durch eine Landschaft verstanden werden, die durch diese Navigation erst geschaffen wird; wie eine Karte (Trompete) die mit ihrem Territorium verschmilzt (Elektronik). Sie besteht aus Zeitblöcken, in denen reduziert mit Material umgegangen wird. In der Gegensätzlichkeit aus harmonischen Flächen/fragmentarischen Klängen, sowie Unbeweglichkeit/Beweglichkeit wird besondere Spannung erzeugt. Als Resultat entsteht ein klangliches Gewebe aus fragilen, subtilen und schillernden Texturen.

Hybrid – Angeregt von einem Workshop von Ute Wassermann entwickelten die Performerinnen eine Reihe von geräuschhaften Stimmklängen, die sie chorisch, wie Klone einer einzigen Stimme einsetzen. Im Kontrast dazu erklingen klangliche Entsprechungen auf den jeweiligen Instrumenten. In der Komposition vervielfältigen sich geräuschhafte Stimmklone, hybride Stimmen und Instrumentalklänge, kreisen, lösen sich ab oder verdichten sich.

Maischen II – Maischen ist ein Vorgang des Bierbrauens und bezeichnet das In-Lösung-Bringen verschiedener Komponenten durch enzymatische, physikalische und chemische Vorgänge. Elektronische, objekthafte, physische Klänge und fragmentiertes Sprechen sind hier die Zutaten. Stimme und Innenklavier treffen in einem virtuosen Zusammenspiel aufeinander, vermischen, verschränken und sabotieren sich in einem zeitlich strukurierten Maelstrom von Klangereignissen.

Ripped Flax spielt mit losen rhythmischen Elementen, die zunehmend erkennbare Formen annehmen und in einem zwischen Marodität und Tanzbarkeit schwankenden Walzer kulminieren.

Loïse Bulot
Radio-Laria (UA), Achtkanalkomposition

Radiolaria ist der Name einer Planktonsorte. Fasziniert von ihrer Form, ihrer Erscheinung: glänzend, mechanisch, fremd, und von den unendlich kleinen Welten, die sie bewohnen, realisierte ich diese akusmatische Komposition, inspiriert von diesen kleinen Kreaturen, die in der Tiefe der Ozeane leben. Das Stück transkribiert eine Reise in ein flüssiges Universum, friedlich oder verstörend, bevölkert von kleinen Zwitterwesen, die mit dem Strom schwimmen, auf der Oberfläche ebenso wie in den Tiefen, bis zum unermesslich tiefen Meeresgrund. Die Komposition Radio-Laria entstand 2017 im Rahmen von Loïse Bulots Studioresidenz am elektronischen Studio der Akademie der Künste Berlin.

Radiolarias are species of plankton. Fascinated by their strange and beautiful appearance and by the infinitesimal, I realized this acousmatic piece inspired by these creatures living in water. I thought this composition in multi-channelling with the idea of a travel under the surface of a liquid universe. Transcribing by sound what the eye can not perceive, by plunging deeper and deeper into the immenses dark masses of the seabed, revealing by a change of scale a tiny, fantastic, hidden luminous world. Realized at the electoacoustic studio, Akademie der Künste Berlin Juli 2017.

Annette Krebs
Konstruktion#3 (UA), Instrumentale Klangskulptur für acht live bespielte Lautsprecher

Konstruktion#3 ist beides: Instrumentale Klangskulptur und Solokomposition. Die Serie Konstruktion vereinigt Techniken und Herangehensweisen digitaler Komposition, Klangkunst, Neuer Musik und Improvisation. Konstruktion#3 ist eine Weiterentwicklung, der im Jahr 2013 begonnenen elektroakustischen Forschungsreihe Konstruktion, die in zahlreichen Solo-Performances auf Konzerten und Festivals in Europa, Südamerika und Mexiko präsentiert wurde. Konstruktion#3 besteht aus Metallen und verschiedenen Objekten, deren Töne und Geräusche mit Mikrofonen und Tonabnehmern teils extrem verstärkt und live digital weiterverarbeitet werden. Analoge und digitale Kompositionstechniken werden miteinander kombiniert. Aus neuentdeckten Klängen und Klangverläufen entsteht so eine achtkanalige elektroakustische musikalische Collage. Klangverschiebungen tauchen den Konzertraum in verschiedene akustische Beleuchtungen. Klänge und Geräusche bilden, während sie sich durch den Raum bewegen, mehrschichtige, polyphone Schattierungen. Die Lautsprecher agieren dabei sowohl als Ensemble, das Klänge im Raum ineinanderfließen lässt, wie auch als akustisch voneinander isolierte "Akteur*innen", die menschliche Stimmen, Geräusche und einzelne prägnante Töne aussenden.

„Für mich ist Proportion sehr wichtig. Die Proportion zwischen Geräusch und Ton und Stille. Proportionsverschiebungen in Klangfarben, Tonhöhen und Lautstärken. Wenn ich sehr konzentriert und vorsichtig an einer Proportion arbeite, kann es sein, dass ich irgendwann einen Punkt in ihr finde, ein Gleichgewicht, das zu Musik führt. Wenn eine Proportion, ein Gleichgewicht in das Material gelangt ist, dann ist es Musik geworden. Mich interessieren sehr fragile Gleichgewichte, die sich an der Grenze der Auflösung, des Scheiterns befinden. Ich empfinde diese als sehr lebendig und schön. Stabile, fest entschlossene und sicher konstruierte Gleichgewichte, stabilen Tischen, Stühlen oder Häusern ähnlich, interessieren mich nicht so sehr. Mich inspiriert das riskante Gleichgewicht, die Feineinstellung einer atmenden Zelle, eines Klangmoleküls, einer Zeitscheibe, eines lebendigen Gebildes.“ Annette Krebs


17.06.2017 @ Kantine Berghain, DE-Berlin

Manami N.   "Without love, make Heimat" (2017, premiere)
manami-n.com
plants and empire "Reading ? Solanum melongena" (2017, premiere)
c-e-s-c-e-s.tumblr.com
Audrey Chen "STAG SONG II"
www.audreychen.com

On June 17th, composers and musicians Manami N., Audrey Chen and Christina Ertl Shirley are taking the stage at Kantine am Berghain. Showcasing different styles and languages, each artist will present her new solo work.

FB Event: facebook.com/events/372845453109585


PROGRAM

6 PM
ACOUSMA FORUM // Heroines of Sound: Women Pioneers of Electroacoustic Music

curated by Bettina Wackernagel

Laurie Spiegel (* 20. September 1945, US)
Patchwork (Dec1974/ Apr 1975/ Mar 1976), 9.47'
Pentachrome (1974), 7.20'
Appalachian Grove I (1974), 5.20'
http://retiary.org/ls/   
https://www.last.fm/music/Laurie+Spiegel

Teresa Rampazzi ( 31. Oct1914 – 16.Dec. 2001, Italy)
Environ (1970), 6.45'
Stereophonic Compostion (1970)
Atmen noch (1980), 15.10'

The programme highlights significant works of two leading female composers, who still qualify as an insider’s tip. Is starts-off introducing the American composer Laurie Spiegel. Spiegel has worked at the cutting edge of electronic and computer music over many years and is seen as a pioneer of the New York new-music scene. Moreover, Laurie Spiegel has been identified closely with the development of experimental color video, having collaborated with Nam June Paik, Bill and Louise Etra, and Tom DeWitt. She pioneered modes of composition that enabled improvising with computers, as well as the creation of dynamic and interactive software instruments. Her ’Music Mouse – An Intelligent Instrument’ (1986) for Macintosh, Amiga and Atari computers was among the earliest music software available to regular consumers, and most widely used in pop- and rock music. Laurie Spiegel’s ascousmatic stereophonic compositions were among the first computer generated works realized at Bell Laboratories, using GROOVE, a system of microcomputers interfaced with modular synthesizers developed by Max Mathews and F.R. Moore. Appalachian Grove was composed just after a visit to the Fiddler’s Grove Festival in North Carolina and is indicative of Spiegel’s affection for traditional banjo and fiddle playing. By means of computer control she creates a fascinating interplay of modal stereophonic hockets with changes from pointillistic pulses to more extended ones. As in case of Patchwork, she notes that the piece ’was composed in reaction to an overdose of heavy, sad, introspective contemporary music’.

Teresa Rampazzi created ambient music, long before Brian Eno conceived his idea of Ambient 1: Music for Airports in 1978. Rampazzi was an active and prominent figure in the Italian electronic music scene. Yet until today her work is hardly known, and her music has barely entered our cultural memory. As a former avant-garde pianist, Teresa Rampazzi decided to devote herself to electronic analogue music at the age of 50. In 1965 she co-founded the N.P.S. Group (Nuove Proposte Sonore), an experimental collective to research sound generation with analogue devices. Furthermore, Rampazzi founded and directed the CSC Computer Music Center (Centro di Sonologia Computazionale) at the University of Padua, where also Luigi Nono und Luciano Berio frequently worked. She published professional articles on electronic music and worked internationally: at the Utrecht Electronic studio, at the Catholic University in Washington and the EMS in Stockholm.

9 PM
ACOUSMA FORUM // Heroines of Sound: A Fresh Look
curated by Bettina Wackernagel

Loïse Bulot (*1982, France)
Hesperia (2015),
Acousmatic stereo, 9.30'
http://www.loisebulot.com/
https://soundcloud.com/loisebul

Antje Vowinckel (*1964, Germany)
Ferrari, entre ( 2011), 6.45
The goal (2014), 9.52'
http://antjevowinckel.de/

The session features a unique tray of contemporary electronic music and radiophonic art by Loïse Bulot and Antje Vowinckel

Both composers employ source material from acoustic instruments, objects and field recordings to explore sound in many facets and create rich sonic textures. While Bulot poetically explores the complexity of unheard phenomena in sound, Vowinckel represents a documentary approach shaping a narration of spoken words into music. Although their sonic results form highly differing sources, the artists share an aesthetic strategy of turning aspects of everyday life into music. Loïse Bulot started her career as a visual artists, thus her work builds an universe by means of visual art and music: hybrid electroacoustic and mixed compositions, graphic scores and live performances. Antje Vowinkel is a highly acclaimed German artist in the field of radiophonic sound compositions. Her works have been commissioned and broadcasted worldwide by public radio stations and presented at major festivals, such as ZKM Karlsruhe, TESLA Berlin, Biennale Bonn, Prix Italia, Festival for Contemporary Music Alicante/Spain, Hammer Museum Los Angeles, British Council, Berlin, and Humboldt-Lab.


Lucrecia Dalt und JD Zazie lernten sich kennen beim Heroines of Sound Festival 2016, wo beide am letzten Abend im HAU2 für ihre Solo-Sets gefeiert wurden.
Pan Daijing und Lucrecia Dalt trafen sich wenige Monate zuvor in Montreal im gemeinsamen Line-Up mit den Sound-Pionierinnen Joan La Barbara und Pauline Oliveros.  
Mit neuem Material werden JD Zazie und Lucrecia Dalt jeweils live sowie Pan Daijing mit einem DJ Set die Reihe der Heroines Editions als Vorspiel zum diesjährigen Heroines of Sound Festival fortführen.

After their acclaimed solo performances on the closing night of Heroines of Sound 2016 at HAU2, Colombian composer and musician Lucrecia Dalt and Italian avant-turntablist Jd Zazie return with a new show alongside a very special DJ Set by Chinese Pan Daijing to open this years Festival edition on April 23rd at Roter Salon.
Known for her distinct style of combining processed and transformed synthesizer sounds with vocoding and voice, Lucrecia Dalt will present new, unreleased material and fresh configurations of pieces from her last album Ou. While JD Zazie, who has achieved some notoriety for her deconstructed musical productions, recombines field recordings, looped beats and sudden jump cuts, with element of scratching, sampling and improvisation.
Supporting the night with one of her rare, morphosis-esque DJ sets is young composer and artist Pan Daijing who has made a name for her new and refreshing production style of atmospheric sophistication and psychological insight.


22.04.2017 @ Moviemento, DE-Berlin

"RAW CHICKS.BERLIN" - Premiere

11 Portraits von in Berlin lebenden elektronischen Musikerinnen
Regie: Beate Kunath

Featuring:
ANNA BOLENA (Italien | Berlin)
ELECTR°CUTE / SINGING KITCHEN (Polen | Berlin)
ERCKLENTZ NEUMANN (Deutschland | Berlin)
KRITZKOM (Frankreich | Berlin)
KSEN. / TOMISLAV (Kroatien | Berlin)
KYOKA (Japan | Berlin)
HITHERTOO (Tschechien | Berlin)
MIMICOF / MIDORI HIRANO (Japan | Berlin)
RONA GEFFEN (Israel | Berlin)
SILNAYE (Spanien | Berlin)
ZIÚR (Deutschland | Berlin) 

Trailer: vimeo.com/199022794 (Trailer)
Moviemento Link: www.moviemento.de
FB Event: facebook.com/events/807285582772229/


Heroines of Sound 2017 wird gefördert mit Mitteln der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, dem Musicboard Berlin, dem Adam Mickiewicz Institute (AMI), von impuls neue musik und der inm e.v. Berlin.

Heroines of Sound 2017 is supported by Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Musicboard Berlin, Adam Mickiewicz Institute (AMI), impuls neue musik and inm e.v. Berlin.