Heroines of Sound Festival 2016

8-10 December, HAU2, Berlin

Cathy Berberian / Natalie Beridze / Loïse Bulot / Audrey Chen / Dorit Chrysler / Anna Clementi / Lucrecia Dalt / Ensemble KNM Berlin / Beatriz Ferreyra / Christine Groult / Sofia Härdig / JD Zazie / Miako KleinAnnette Krebs / Mo Loschelder / Clara Maïda / Perera Elsewhere / Elisabeth Schimana / Laurie Schwartz / Ute Wassermann

In 2016 Heroines of Sound Festival is dedicated to two main focal points:

1. The music of Beatriz Ferreyra (*1937) and Christine Groult (*1950), two composers associated with the groupe de recherches musicales (GRM), which to this day qualifies as an insider’s tip.
2. Cathy Berberian (1925–1983), the most significant pioneer of new vocal practice in the 20th century.

The concert program at HAU2 ranges from amplified vocal chamber music and electronic performances with Audrey Chen, Annette Krebs and the Theremin virtuoso Dorit Chrysler to multi-channel computer music. Including conceptual electronic sound by Lucrecia Dalt, and an experimental DJ set by JD Zazie. Ute Wassermann’s interpretation of Cathy Berberian’s famous “Stripsody” and Anna Clementi’s reinterpretations of two compositions, written particularly for Berberian by John Cage and Luciano Berio, will be supplemented by such artists as Natalie Beridze and Sofia Härdig who are combining voice and electronic. In a portrait concert, the Ensemble KNM will present contemporary works by the two French composers Clara Maïda and Loïse Bulot. The concert program will be rounded off by panel discussions on the festivals key aspects.

Interview mit Beatriz Ferreyra @ BBC "Music Matters" - 01.10.2016

FILM- UND SOUNDBAR

Im Foyer des HAU erwartet die Festivalbesucher eine Ausstellung mit Video-Portraits und eine Sound-Bar. Täglich ab 18.00 Uhr geöffnet, offeriert die Soundbar eine von den Künstlerinnen und dem Festivalteam kuratierte Auswahl. Die Heroines of Sound Selections umfasst über 50 Titel, das musikalische Spektrum der Hörstücke reicht von Tapemusik der Musique Concrète über Remixe bis hin zu Soundart.

In Zusammenarbeit mit der IMAfiction, Institut für Medienarchäologie (St.Pölten,Österreich) präsentiert das Heroines of Sound Festival Filmportraits von: Electric Indigo, Maryanne Amacher, Anne la Berge, Éliane Radigue, Suzanne Ciani

www.ima.or.at/imafiction


INSTALLATION

SHIROSHI
Eine performative Klang-, Licht-, Video- und Rauminstallation der Künstlerin Miako Klein

Miako Klein: Blockflöte, Klang- und Rauminstallation, Gesamtkonzeption
Michael Weilacher: Percussion
Martin Boverhof: Video
Carolin Liedtke: Licht

Eröffnungsperformance: 8. Dezember 2016, 18.00 UHR

Ausstellung vom 8.-11. Dezember 2016

09.12    15.30 Uhr – 17.30 Uhr Installation / 18.30 Uhr Performance
10.12.    18.00 Uhr – 20.00 Uhr Installation
11.12.      16.00 Uhr – 20.00 Uhr Installation

Galerie BRAENNEN, Stresemannstraße 25, Berlin 10963


SYMPOSIUM

FREITAG, 09.12. im HAU2 um 18:00 UHR /  in deutscher und englischer Sprache
Panel I : Stimme, Performance und Werk in der elektronischen Musik
Key-Note: Hannah Bosma (Musikwissenschaftlerin) – Teilnehmer: Hannah Bosma, Anna Clementi (Sängerin/Komponistin)Marie-Louise Herzfeld-Schild (Musikwissenschaftlerin, Universität Köln)Sabine Sanio (Musikwissenschaftlerin, Berlin)

Die Diskussion am Freitag, dem 9. Dezember, geht mit Blick auf die elektronische Modifikation und Transformation der weiblichen Stimme verschiedenen, auch für die weibliche elektronische Musik zentralen Fragen nach. Während in der Konstellation von Werk, Interpretation und Performance die Sängerinnen stets große Aufmerksamkeit auf sich ziehen, bleibt auch für sie die Kooperation zwischen Interpretinnen und Komponistinnen entscheidend. Mit eigenen Performances machen sie sich von der kompositorischen Autorität unabhängig, indem sie diese für sich selbst beanspruchen.

SAMSTAG, 10.12. im HAU2 um 18:00 UHR /  in deutscher und englischer Sprache
Panel II : Die Komponistinnen der Groupe Recherche Musicales (GRM)

Key-Note: Reinhold Friedl (Musiker, Berlin/Wien) – Teilnehmer: Beatriz Ferreyra (Komponistin, Berlin), Reinhold Friedl, Christine Groult (Komponistin, Paris), Clara Maïda (Komponistin, Paris/Berlin), Bettina Wackernagel (Heroines of Sound, Berlin)

Das zweite Panel am 10. Dezember ist den Pionierinnen elektronischer Musik im Umfeld der französischen Groupe Recherche Musical (GRM) gewidmet. Obwohl es im Umfeld dieser von Pierre Schaeffer 1958 gegründeten Komponistengruppe auch viele Komponistinnen gab, konnten sich diese in der Gruppe nie wirklich durchsetzen. Die Panelteilnehmer diskutieren neben der Situation in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch die aktuelle Situation.

Symposium I "Stimme, Performance und Werk in der elektronischen Musik" w/ Marie-Louise Herzfeld-Schild, Anna Clementi, Hannah Bosma, Kim Feser © marco microbi/photophunk.com

Symposium I "Stimme, Performance und Werk in der elektronischen Musik" w/ Marie-Louise Herzfeld-Schild, Anna Clementi, Hannah Bosma, Kim Feser © marco microbi/photophunk.com


PROGRAMM DETAILS

Donnerstag 8. Dezember 2016

18 Uhr – ERÖFFNUNG
SHIROSHI in der Galerie Braenne
Filmportraits und Soundbar im Foyer HAU2

20 Uhr – KONZERT (HAU2)

PORTRAIT CATHY BERBERIAN (1925-1983) → cathyberberian.com
Sängerin und Stimmperformerin, die bedeutendste Pionierin einer neuen Gesangspraxis in der Musik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Wie keine andere Interpretin ihrer Zeit war sie auf höchstem, gesanglichen Niveau zu Erkundungen jenseits des traditionellen Belcanto-Gesangs bereit. Zahlreiche Komponistinnen und Komponisten arbeiteten mit ihr zusammen und widmeten ihr Werke, in denen sie die unkonventionelle Behandlung der Stimme weiterentwickelten. Auch nachfolgende Komponistengenerationen konnten auf den neu erschlossenen Möglichkeiten der Gesangsperformance aufbauen und Kompositionen realisieren, die alle Aspekte der menschlichen Stimme zeigen – ohne Rücksicht auf überkommene ästhetische Imperative.

JOHN CAGE — Aria
Stimme: Anna Clementi

LUCIANO BERIO — Film: C'è Musica e Musica
(TV RAI, 1972) Episode 5: "Mille  una voce" → cathyberberian.com/video
In dieser Folge zeigt Cathy Berberian, wie unglaublich sie ihre Stimme adaptiert. Berberian singt quer durch allen Genres Werke von Monteverdi Purcell, Rossini, Bizet, Offenbach, Massenet, Debussy, Ravel, Gershwin, Falla, Weill, Schönberg und den Beatles.

LUCIANO BERIO — Sequenza III* (1966) 
für Stimme Solo, Text: Markus Kuttner; Stimme: Anna Clementi → Berio Sequenza III

Das Singen ist nur eines von zahlreichen Ausdrucksmöglichkeiten der menschlichen Stimme, von denen Berio hier Gebrauch macht. In den Zeichenerklärungen listet er 15 Techniken auf, darunter „Lachsalven, Zähneklappern, Zungentriller gegen die Oberlippe“ sowie 44 Vortragsbezeichnungen, wie „entfernt, verträumt, ekstatisch, äußerst intensiv, verklingend“... “Sequenza III” ist eine einmalige Herausforderung, ein Stück einzigartiges Musiktheater für eine Sängerin, die Berio nicht nur für seine Frau Cathy Berberian komponiert hat, sondern gleichermaßen über sie.

LAURIE SCHWARTZ — Outtakes from the Baroness Tapes No. 4 (Uraufführung) → soundcloud.com/lauranera
Stimme: Anna Clementi; Live-Elektronik: Laurie Schwartz

PORTRAIT ANNA CLEMENTI → www.annaclementi.com
Meine Ruh ist hin (2016)
Hot Voodoo (2016)
This is not a Love Song (2016)
Together again (2016)
Is this there all there is (2016)
Interplanetary Addiction (2016)
Stimme: Anna Clementi, Bassgitarre: Thomas Stern; Laptop, Elektronik: Alexander Christou

SOFIA HÄRDIG – Live Sentences  → www.sofiahardig.net

PERERA ELSEWHERE  Sasha Perera & band  → fofmusic.net.perera-elsewhere

Freitag, 9. Dezember 2016

20 Uhr – KONZERT (HAU2)

Das Konzert beginnt mit einer Hommage an die Komponistinnen der “Groupe de Recherches Musicales“ (GRM).

Zu hören sind vier sehr verschiedene elektronische Werke von Monique Rollin (1927-2002), Christine Groult (*1950) und Beatriz Ferreyra (*1937).

Diese klassischerweise in Stereo produzierten Stücke aus den Jahren 1952 bis 2011 werden von den Komponistinnen interpretiert und verräumlicht mit dem eigens für diesen Abend und für diesen Saal zusammengestellten Acousmonium (Lautsprecher-Orchester). 

Für das Stück "Etude Vocale" (1952) nahm Monique Rollin nur einen einzigen Gesangston pro Stimme auf, den sie mit Hilfe des Phonogène transponierte, der gerade neu eingetroffenen Wundermaschine des Club d'Essai, wie sich der Vorläufer der GRM nannte. Diese komplexe Tonbandmaschine konnte mit Hilfe von zwölf rotierenden Tonköpfen vorab auf Tonband aufgenommene Klänge in Halbtonschritten transponieren, ohne ihre Dauer zu verändern. So entstand diese elektroakustische Version eines dreistimmigen Vokalstückes aus dem 13ten Jahrhundert. (aus: R. Friedl im Interview, WDR3 Open, Studio Elektronische Musik, 2014)

AKUSmaTISCHE Musik (Rollin, Groult, FERREYRA)
MONIQUE ROLLIN
(1927 - 2002) — Etude Vocale (1952) Tonbandkomposition
CHRISTINE GROULT (*1950) — Promenade d'Enfance (1990)
CHRISTINE GROULT (*1950) — Condition Captive (2003)                                                      
BEATRIZ FERREYRA (*1937) — Les Larmes de l'Inconnu (2011)

DORIT CHRYSLER — Hands Off (2015) Theremin, voice, electronics → doritchrysler.com

CLARA MAÏDA Later Jester (2012) Kontrabass-Klarinette und Elektronik→ claramaida.com

CLARA MAÏDA Fluctuatio (in)animi 1er volet du cycle Psyché-Cité/Transversales (2006), Ensemble und Elektronik

CLARA MAÏDA Ipso Facto 2ième volet du cycle Psyché-Cité/Transversales (2007), Elektronische Mehrkanalkomposition

LOÏSE BULOT — Insomnis (Uraufführung) Ensemble, Elektronik, Visuals / fl, kbkl, perc, vl, va, vc, kb → loisebulot.com

ENSEMBLE KNM BERLIN → kammerensemble.de
(Tonregie Andre Bartetzki)
Rebecca Lenton, Flöte; Theo Nabicht, Kontrabassklarinette; Alexandre Babel, Schlagwerk; Theodor Flindell, Violine;
Kirstin Maria Pientka, Viola; Ringela Riemke, Violoncello; Jonathan Heilbron, Kontrabass

ELISABETH SCHIMANA — In die Sonne (2016, Deutsche Erstaufführung) 6-Kanal Elektronik-Performance → elisabetschimana.at

Samstag, 10. Dezember 2016

20 Uhr – KONZERT (HAU2)

LUCRECIA DALT — Interfolds  Synthesizer, Bass, Vocoding → lucreciadalt

NATALIE BERIDZE – Mapping Debris  → www.natalieberidzetba

CATHY BERBERIAN (1925-1983) — Stripsody (1966) → cathyberberian.com
Stimme: Ute Wassermann
Cathy Berberians onomapoetische Komposition basiert auf dem visuellen Material von Comiczeichnungen, beginnend mit „Tarzangeheul“ über Splashes, Bongs and Birds entfaltet die Künstlerin ein hybrid virtuoses Klangpanoptikum sogenannter „Alltagskultur“. 

UTE WASSERMANN — Strange Song (2015) Solo für Stimme und Vogelpfeifen → femmes-savantes.net/ute-wassermann

ANNETTE KREBS — Konstruktion#2: Karkk (2016) Solo für drei Bleche, eine Saite, Stimmen und live Elektronik → annettekrebs.eu

AUDREY CHEN  — Stag Song (2016)  Solo Stimme → audreychen

JD ZAZIE  — Memory Loss experimentelles DJ Set mit Elektronik → jdzazie.tumblr.com

23 Uhr – Aftershow (WAU)

DJ MO – Mo Loschelder, eine der Kuratorinnen des Festivals, huldigt in einem eklektischen DJ Set dem Sound elektronischer Pionierinnen und zeitgenössischer Musikerinnen.
→ wikipedia.Mo_Loschelder